Pfarrerin Jutta Hofmann-Weiß geht in den Ruhestand

veröffentlicht 23.05.2026, Gesamtkirchengemeinde am Schiffenberg

Nach 39 Jahren im Dienst der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau geht Pfarrerin Jutta Hofmann-Weiß am 1. September in den Ruhestand. Am 23. August 2026, 17 Uhr, wird sie im Gottesdienst verabschiedet.

Im Juni-Gemeindebrief unserer Gesamtkirchengemeinde am Schiffenberg verabschiedet sie sich. Als Gemeindepfarrerin in drei Gemeinden schätzte sie die Vielfalt des Berufs: „Man ist Theologin, Seelsorgerin, Predigerin, Liturgin, Pädagogin, Gemeindeleiterin – und die Rollen vermischen sich.“ Ihr Konfirmationsspruch „Lasst uns lieben, denn Gott hat uns zuerst geliebt“ prägte ihr Wirken. In Watzenborn-Steinberg erlebte sie herzliche Aufnahme: „Als wir ins Pfarrhaus zogen, ist uns so viel Herzlichkeit entgegengebracht worden, dass wir uns sofort wohl gefühlt haben.“

Als Lehrpfarrerin bereicherte sie die Arbeit mit Vikar:innen: „Nicht nur die jungen Menschen sind gewachsen, sondern ich auch.“
Der kirchliche Struktur- und Reformprozess begleitete ihre letzten Jahre. „Viel Zeit und Energie sind geflossen – aus meiner Sicht durchaus zum Positiven hin.“ 

Ihr Abschiedsgottesdienst am 23. August um 17 Uhr in der Christuskirche in Watzenborn-Steinberg wird, so Jutta Hofmann-Weiß ein „Erntedankgottesdienst“ – voller Dankbarkeit für Begegnungen und Unterstützung. „Ich freue mich, dass ich meinen Alltag dann mit mehr Freiheit gestalten kann und auch mal sagen kann: Ja, ich habe Zeit.“ Im Ruhestand bleibt sie aktiv: bei „Wärme teilen“, im Kirchenchor und mit Vertretungsdiensten. „Die Ehrenamtlichen sind der Schatz der Gemeinde, denn hauptsächlich durch sie ist Gemeinde lebendig.“

Der Text aus dem Gemeindebrief von Pfarrerin Hofmann-Weiß im Wortlaut:
Zeit für den Ruhestand 

 Liebe Gemeindeglieder, 
…alles hat seine Zeit… und für mich ist die Zeit des Abschieds gekommen. Am 1. September gehe ich in den Ruhestand. Das ist ein gutes Datum. Genau vor 39 Jahren, am 1. September 1987 habe ich meinen Dienst in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau als Vikarin begonnen. Nach dem Vikariat war ich drei Jahre Seelsorgerin in einem Kinder-und Jugendheim, alle anderen Jahre Gemeindepfarrerin in drei Kirchengemeinden. 

Gemeindepfarrerin, das wollte ich tatsächlich schon werden, als ich in die Oberstufe des Gymnasiums kam und das war ich in all den Jahren immer ausgesprochen gerne. Man ist in diesem Beruf Theologin, Seelsorgerin, Predigerin, Liturgin, Pädagogin, Gemeindeleiterin und die Rollen vermischen sich ja auch miteinander. Oft muss man Geplantes hinten anstellen, weil Unvorhergesehenes plötzlich Vorrang hat. Da alles ist eine tägliche Herausforderung, das hat den Beruf für mich aber auch immer so spannend und abwechslungsreich gemacht.  

Wer mich ein wenig kennt, weiß, ich bin ein Mensch, der gerne in Beziehungen mit anderen Menschen lebt. Hauptsächlich sind es doch die Beziehungen über die sich die Botschaft von der Liebe Gottes verbreitet und erfahrbar wird. „Lasst uns lieben, denn Gott hat uns zuerst geliebt,“ ist mein Konfirmationsspruch, der mich über all die Jahre auch in meinem Dienst getragen und motiviert hat. 

Eine Gemeinde ist für mich ein Raum, in dem Menschen ihre Beziehung zu Gott auf vielfältige Weise miteinander leben und feiern. Sich von Gott stärken und ermutigen lassen und das einander weiter zu geben, gehört zusammen, genauso wie Kirche und Diakonie, der Dienst am Nächsten.  

In den vergangenen sechs Jahren hat uns die Zukunft der Kirche sehr beschäftigt im Strukturprozess 2030. Es ist der größte Strukturprozess, den ich in meiner Dienstzeit erlebt habe. Viel Zeit und Energie ist in diesen Prozess geflossen und so manches hat sich verändert. Ich finde, durchaus zum Positiven hin, entgegen so manchen Befürchtungen. 

Ich habe gerne in diesem Prozess noch mitgewirkt, weil wir alle Verantwortung dafür übernehmen müssen, dass Wege in die Zukunft geebnet und Bedingungen geschaffen werden, in denen Kirche unter den sich veränderten gesellschaftlichen Bedingungen gelebt werden kann. 

“Ich blicke auf meine Dienstjahre mit sehr viel Dankbarkeit zurück.”

Ich blicke auf meine Dienstjahre mit sehr viel Dankbarkeit zurück. Für mich wird der Abschiedsgottesdienst am 23. August um 17.00 Uhr in der Christuskirche vor allem ein „Erntedankgottesdienst.“ 
Mein Dank gilt den unterschiedlichen Menschen, denen ich auf meinem beruflichen Weg begegnet bin. Auch über die Grenzen der Gemeinde hinaus. In allen drei Gemeinden, in denen ich tätig war, habe ich gerne gearbeitet und mit den Menschen gelebt. In jedem Ort hat man uns es leicht gemacht „zuhause“ sein zu können, das war für uns als Familie wichtig. Als wir nach Watzenborn-Steinberg ins Pfarrhaus gezogen sind, ist uns so viel Herzlichkeit entgegengebracht worden, dass wir uns sofort wohl gefühlt haben. Wir sind jetzt bereits nach Garbenteich gezogen und bleiben also Mitglieder unserer Gesamtkirchengemeinde. 

Mein Dank gilt all den Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, die ich an wichtigen Punkten ihres Lebens begleiten durfte, ob bei Taufen, Trauungen, Konfirmation oder in Krisen- und Trauerphasen.  
Ich bin dankbar für die Menschen, die auch mich getragen haben in all den Jahren. Menschen, mit denen mich eine tiefe Freundschaft verbindet. Menschen, die meine Grenzen respektiert haben, die mir Anerkennung geschenkt haben oder auch konstruktive Kritik. Ich bin dankbar für die Menschen, die für mich und für uns gebetet haben und beten, weil auch wir als Familie durch Krankheits-und Krisenzeiten hindurch mussten und müssen. 

Dankbar bin ich auch für meine Kolleginnen und Kollegen, Kantorinnen, Gemeindepädagog:innen, mit denen ich so freundschaftlich kollegial zusammenarbeiten durfte. Genauso wie mit den Ehrenamtlichen und dem Kirchenvorstand und den 1. Vorsitzenden. Sie kümmern sich um Verwaltung und schenken uns Pfarrerinnen damit Zeit für unsere eigentlichen pastoralen Aufgaben. Die Ehrenamtlichen sind der Schatz der Gemeinde, denn hauptsächlich durch sie ist Gemeinde lebendig. Und weil die Ehrenamtlichen mich immer unterstützt haben, möchte ich auch gerne etwas zurück geben im Ruhestand. Ich werde mich zum Beispiel bei der Aktion „Wärme teilen“ engagieren, im Kirchenchor singen und bestimmt auch noch den ein oder anderen Vertretungsdienst übernehmen. 

"Danke für die Ökumene!"

In Watzenborn-Steinberg ist in den vergangenen Jahren eine starke Ökumene gewachsen, genauso wie die Beziehungen im Sozialraum, indem sich Menschen gemeinsam für Demokratie, für Gerechtigkeit und Frieden engagieren. Die Kommunikationsstruktur zwischen den Verantwortlichen in Gemeinden und Kommunen ist durch gegenseitigen Respekt und Offenheit geprägt. Das ist nicht selbstverständlich und ich sage auch dafür danke. 

Ein Schatz auf meinem Erntedanktisch ist meine Berufung zur Lehrpfarrerin und in die Prüfungskommission unserer Landeskirche. Die Arbeit mit den jungen Menschen in der Ausbildung und die Zusammenarbeit mit den Professoren des theologischen Seminars in Herborn hat meine Arbeit sehr bereichert. Nicht nur die Vikarinnen und Vikare sind in dieser Zeit gewachsen, sondern ich auch.  

Ein Abschied bietet auch immer Raum für etwas Neues, für die Gemeinde und für mich persönlich. In manchen Momenten kann ich noch nicht fassen, dass meine Dienstzeit zu Ende geht. In anderen Momenten freue ich mich, dass ich meinen Alltag dann mit mehr Freiheit gestalten kann und auch mal sagen kann:“ Ja, ich habe Zeit.“   

Ich grüße Sie alle ganz herzlich. 

Ihre Jutta Hofmann-Weiß