Stefanie Bernecker

Aufbruch

Liebe Leser:innen,

wie sieht es aus mit Ihren guten Vorsätzen für dieses Jahr?

Haben Sie schon welche umgesetzt? Oder gehören Sie zu denjenigen, die bereits Ende Januar an ihren guten Vorsätzen gescheitert sind? Wenn ja, sind Sie auf jeden Fall in guter Gesellschaft, denn laut den Statistiken haben 65% ihre guten Vorsätze nach spätestens zwei Monaten über Bord geworfen.

Die gute Nachricht ist, es gibt mindestens eine zweite Chance. Nicht nur der Jahreswechsel, sondern auch der Frühling lädt ein, neue Pläne zu schmieden und Vorsätze in Angriff zu nehmen. „Der Frühling ist die Zeit der Pläne und Vorsätze“ hat der russische Schriftsteller Tolstoi gesagt.

Der Frühling ist auch für mich tatsächlich noch viel mehr von Aufbruchstimmung begleitet als der Jahreswechsel. Bäume werden grün, die ersten Frühlingsblumen sprießen und zaubern ein buntes Bild im Garten. Die Vögel kehren zurück, und wir hören sie singen. Die Tage sind deutlich länger, und wir spüren, dass die Sonne zunehmend mehr Kraft hat die Natur und uns zu wärmen. Wir spüren ganz deutlich den Wechsel im Lebenszyklus und die Veränderung von Kälte in Wärme setzt auch bei uns Energien frei und verstärkt den Wunsch nach Veränderungen und Neubeginn.

Wie gut passt genau in diese Zeit das Osterfest. Es ist ein Fest des Aufbruchs und Neubeginns. Nach dem schrecklichen Leiden und dem Tod Jesu, erleben die Jüngerinnen und Jünger Jesu Auferstehung. Dabei erkennen sie Jesus nicht auf den ersten Blick, denn er ist verändert, verwandelt. Die einen erschrecken, andere fürchten sich, andere zweifeln erst einmal. Doch auf den zweiten Blick er-kennen sie ihn an den vertrauten Gesten und Handlungen, an seiner Stimme oder auch an seinen Wundmalen. Sie alle erfahren, dass Gottes Schöpferkraft stärker ist als Leid und Tod. Sie finden heraus aus der Angst, die sie lähmt, und der Trauer, die sie niederdrückt, und wagen einen neuen Aufbruch. Sie werden Zeuginnen seiner Botschaft und tragen diese mutig weiter.

In diesem Glauben an die Auferstehung steckt eine ungeheure Kraft, die uns hilft, auch in unserem Leben neue Aufbrüche zu wagen. Ich denke dabei an die kleinen, aber so wichtigen Aufbrüche, die zu unserem Alltag dazu gehören. Da ist die junge Frau, die sich Monate lang im Kampf um ihre schwere Krankheit ganz zurückgezogen hat. Für die Zeit nach der Therapie hat sie sich einige schöne Dinge vorgenommen. Als würde sie in ein zweites, neues Leben aufbrechen, so fühlt es sich für sie an.

Da ist das Ehepaar, dessen Alltag sehr von ihren beruflichen Aufgaben bestimmt war. In der Rente genießen sie jetzt die Freiräume. Sie verreisen und verbringen viel Zeit mit den Enkelkindern.

Ich denke an den jungen Mann, dem politische Arbeit an der Basis schon immer wichtig war. Jetzt, wo er Fuß gefasst hat im Berufsleben, macht er einen lang gehegten Vorsatz wahr und engagiert sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl.

Jede und jeder von uns, hat wohl ganz eigene Wünsche nach Veränderung, nach etwas Neuem im Leben. Wir haben Sehnsucht nach den kleinen und großen Aufbrüchen, weil wir uns darin so richtig lebendig fühlen.

Dabei sind Aufbrüche immer mit unterschiedlichen Gefühlen verbunden. Da sind die Neugier und die Vorfreude auf Neues. Da sind aber auch Sorge und Angst, Gewohntes zu verlieren oder den neuen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. In unsere Angst hinein spricht die Botschaft der Auferstehung. Jesus macht uns immer wieder Mut, Neues zu wagen. Und es gilt für viele Situationen: Nur indem wir uns auf Neues einlassen, können wir Altes loslassen. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gott uns seine Kraft gibt, aufzubrechen und Neues zu wagen und dass wir nicht allein auf uns gestellt sind.

„Wer aufbricht, der kann hoffen“ – so sagt es Klaus Peter Hertzsch in seinem Lied: Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt (EG 395).

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Frühling, ein gesegnetes Osterfest und den Mut, zu wagen was Sie schon immer mal in Angriff nehmen wollten.

Herzliche Grüße

Pfarrerin Jutta Hofmann-Weiß

(Aus dem Gemeindebrief März - Mai 2026)