Jörg R. Becker

Orgeln am Schiffenberg

Alle fünf Orgel der evangelischen Kirchen am Schiffenberg stammen aus der traditionsreichen Werkstatt der Orgelbaufirma Förster & Nicolaus in Lich.  

Die Orgel in Albach

Für den Vorgängerbau wurde 1735 auf Initiative des Lehrers Johann Jakob Weller eine kleine Orgel für 40 Gulden angeschafft, die vermutlich in die neue Kirche übernommen wurde. Die heutige, linksspielige Brüstungsorgel wurde im Jahr 1863 von Johann Georg Förster für 1225 fl.geschaffen und hinter einem neuromanischen Prospekt im Osten über dem Altar aufgestellt. Der Prospekt weist drei hochrechteckige Pfeifenfelder auf, deren mittleres überhöht ist. Den oberen Abschluss der Felder bilden Vierpässe. Das Gehäuse wird von einem Zinnenfries bekrönt. Das Instrument verfügt über acht Register auf einem Manual und Pedal, über Kegelladen und eine mechanische Traktur. Im Jahr 1961 erhielt die Orgel ein elektrisches Gebläse, 1979 und 1999 erfolgten Überholungen durch Förster & Nicolaus Orgelbau.[12] Die vollständig erhaltene Disposition lautet wie folgt:[13]

I Manual C–f3


1.Quintatön16′
2.Geigenprincipal8′
3.Bourdon8′
4.Dolce8′
5.Octave4′
6.Flauto-dolce4′
7.Acuta IV2′

Pedal C–d1


8.Subbass16′

Zusammensetzung der gemischten Stimme

Acuta IV 2′           
C:    2′+1 13+1′+23
c0:  2 23+2′+1 13+1′  
c1:4′+2 23+2′+1 35    

Die Orgel in Garbenteich

Im Jahr 1900 schuf Johann Georg Förster eine neue Orgel mit sechs Registern auf einem Manual und Pedal, die im Chor aufgestellt wurde. Förster & Nicolaus Orgelbau ersetzten das Instrument 1974 durch ein neues Werk, das in der nordöstlichen Chorecke seinen Platz fand. Einige ältere Register wurden umgearbeitet und einbezogen. Der Prospekt wird durch fünf offene Kästen unterschiedlicher Höhe gegliedert. Die Holzpfeifen des Subbass stehen rechts separat von der Orgel an der Ostwand. Die Disposition lautet wie folgt:[14]

Manual C–g3


Prinzipal8′
Bourdun8′
Salicional8′
Oktav4′
Flöte4′
Quinte2 23
Oktav2′
Mixtur II–III1 13

Pedal C–f1


Subbaß16′

Die Orgel in Hausen

Eine Orgel ist erstmals 1741 nachgewiesen, die der Rödger Lehrer Johann Kaspar Grimm hinter einem barocken Gehäuse baute. Der fünfachsige Prospekt hatte einen überhöhten Mittelturm und seitlich zwei Spitztürme. Erniedrigte Flachfelder verbanden die Türme. Die seitlichen Blindflügel, die Schleierbretter und die Bekrönung der Flachfelder auf dem Gehäuse waren mit Rankenwerk ausgefüllt. Nach einer letzten Reparatur durch Johann Georg Förster im Jahr 1896 schuf dieser 1898 ein neues Werk mit sieben Stimmen.

Im Jahr 1974 ersetzte Förster & Nicolaus Orgelbau die Orgel durch einen Neubau, der auf der Ostseite der Nordempore errichtet wurde. Einige ältere Register wurden umgearbeitet und integriert.[12] Wie die Vorgängerorgel verfügt die Orgel über sieben Register, die sich auf einem Manual und Pedal verteilen. Der Prospektwird durch drei vorne und hinten offene Kästen unterschiedlicher Höhe gegliedert. Die Holzpfeifen des Subbass sind hinterständig aufgestellt. Die Disposition lautet wie folgt:[13]

Manual C–f3


Gedackt8′
Salicional8′
Principal4′
Rohrflöte4′
Schwiegel2′
Mixtur III1′

Pedal C–d1


Subbass16′

Die Orgel in Steinbach

Der Vorgängerbau erhielt erstmals im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts eine Orgel, die um 1830 repariert wurde. Für den Kirchenneubau plante die Kirchengemeinde eine neue Orgel und vergab den Auftrag an Johann Georg Förster, dessen Mutter Anna Catharina geb. Schneider aus Steinbach stammte. Försters Entwurf vom 7. Juli 1846 wurde 1849 für 2548 fl 10 kr umgesetzt. Der Prospekt entspricht dem von Adam Karl Bernhard in Beuern aus dem Jahr 1847. Für Beuern hatte die Baubehörde einen Entwurf gemacht, der von Leib in Gießen ausgeführt wurde.[13]Förster baute diesen Prospekt nach, dessen neuromanische Gestaltung sich organisch in den Steinbacher Kirchenneubau einfügte. Die vier Pfeifenfelder werden durch Pilaster gegliedert. Das überhöhte Mittelfeld mit flachem Giebel tritt risalitartig hervor. Darin sind zwei rundbogige Felder mit Kuppelbogen angebracht, die außen von zwei Rechteckfeldern flankiert werden. Eine große Rundbogenblende mit kunstvoll ausgeführtem, vergoldetem Rankenwerk überspannt das doppelte Mittelfeld, kleinere Rundbogenblenden mit halbkreisförmigen Fächerrosetten über einem reliefierten Fries die beiden Außenfelder. Das Gehäuse wird von einem Rundbogenfries mit vergoldeten Spitzen bekrönt.

Die Steinbacher Orgel war Försters erster zweimanualiger Neubau. Er stattete die Orgel mit Schleifladen aus, die Traktur ist mechanisch. Abgesehen von seiner Hungener Orgel (1876, II/P/25) blieb sie sein zweitgrößtes Werk.[14] Die nicht etwa infolge einer schlechten Ausführung, sondern systembedingt etwas schwergängige Traktur im ersten Manual wurde von Förster selbst beklagt.[15] Im Jahr 1870 ersetzte Förster die Viola di Gamba und fügte 1873 eine Physharmonika hinzu. Eine Überholung durch Förster fand im Jahr 1899 statt, nachdem das Instrument durch Blitzschlag Schaden genommen hatte. 1917 mussten die zinnernen Prospektpfeifen abgeliefert werden und wurden 1919 durch Zinkpfeifen ersetzt. 1977 erfolgte eine Instandsetzung durch Förster & Nicolaus Orgelbau[16] und 2021/2022 eine weitere durch dieselbe Firma. Die seitenspielige Orgel verfügt über 24 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal, und ist fast vollständig erhalten. Der eng mensurierte Prinzipal 8′ auf dem zweiten Manual ist der einzige von Förster, der erhalten ist und 1917 nicht für die Rüstungsindustrie abgeliefert werden musste.[17] Die Disposition lautet:[18]

I Hauptwerk C–f3


Bourdun16′
Principal8′
Hohlflöte8′
Viola-di-Gambe8′
Bourdun8′
Octave4′
Hohlflöte4′
Quinta3′
Super-Octav2′
Cornetto III (ab g0)
Mixtur IV2′

II Positiev[19] C–f3


Principal8′
Flauto-Dolce8′
Salicional8′
Octav4′
Gedackt4′
Nassatt3′
Spitzflöt2′
Physharmonika[20]8′

Pedal C–c1


Principal-Bass16′
Violon-Bass16′
Sub-Bass16′
Oktav-Bass8′
Gedackt-Bass8′

Koppeln: II/I, I/P


Die Orgel in der Christuskirche Watzenborn-Steinberg

Die 1953/54 erbaute Christuskirche erhielt 1960 eine Orgel der Werkstatt Förster & Nicolaus aus Lich mit 18 Registern verteilt auf Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal. Die Orgel wurde am 4. Dezember 1960 eingeweiht. Der Prospekt, der sich in die vom Butzbacher Architekt H. de Vries gestaltete Kirche einfügt, wurde im Stil des Strukturalismus mit nach vorne offenen Kästen konzipiert. Die Pfeifenfelder in Form rechtwinkliger Trapeze steigen an der Oberseite nach außen hoch. Dem Hauptwerk sind die vier flachen Pfeifenfelder über dem Spieltisch zugeordnet, die in verkleinerter Form im Rückpositiv in der Brüstung ihre Entsprechung finden. Die seitlich flankierenden Felder für das Pedalwerk sind mit hölzernen Pfeifen ausgefüllt. Die Orgel verfügt über mechanische Schleifladen.

2024 wurde die Orgel von der Firma Förster & Nicolaus gereinigt und klanglich überholt. Einige Register sind weggefallen und wurden durch neue ersetzt. So hat die Orgel nun 20 Register und zwei Vorabzüge (Superoktave 2′ und Oktave 1′). Davon sind sechs neue Register. Die Orgel hat 1326 Pfeifen und folgende Disposition:

Hauptwerk C-g3 (56 Tasten)
Prinzipal 8’ – Gemshorn 8′ – Rohrflöte 8’ – Oktave 4’ – Gedecktflöte 4′ – Nasard 2 2/3′ – Superoktave 2’ – Mixtur 4fach [2’] – Trompete 8’ – Tremulant

Rückpositiv C-g3 (56 Tasten)
Gedackt 8’ – Prinzipal 4’ – Rohrflöte 4’ – Spitzflöte 2’ – Sesquialtera 2f. – Oktave 1’ – Scharf 3fach [1’] – Krummhorn 8′ – Tremulant

Pedal C-f1 (30 Tasten)
Untersatz 16’ [Prospekt] – Oktavbaß 8’ – Gedacktbaß 8’ – Choralbaß 4′ – Fagott 16’

Koppeln II/I, I/P, II/P

Die Spendenaktionen zur Finanzierung der Orgelrenovierung laufen noch. Interessieren Sie sich für eine Pfeifenpatenschaft? Dann kontaktieren Sie bitte Kantorin Cordula Scobel unter cordula.scobel(at)ekhn.de